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Mit der letzten Novelle des Regionalradiogesetzes (RRG) reiht sich Österreich
wieder in die Gruppe der Staaten ein, die auf gesetzlich verankertes
nichtkommerzielles Radio verzichten. Während z.B. in der Schweiz oder in
Deutschland Freie Radios eine gesetzliche Definition erfahren, blickt
Österreich immer noch skeptisch auf die Absonderlichkeit des
nichtkommerziellen Rundfunks herab, der seine Existenz in einem toten Winkel
des RRG fristet. Tatsache ist, daß vorhandene Frequenzen zuerst auf die
(ökonomisch) stärksten AntragstellerInnen aufgeteilt werden. Wo noch
"Restbestände" vorhanden sind, werden diese dann eventuell - wie die
sprichwörtlichen Brosamen - an nichtkommerzielle BetreiberInnen vergeben.
Radio ist öffentlicher Raum. Öffentlicher Raum darf nicht ausschließlich von
Ökonomie bestimmt werden. So wie es öffentliche Parks gibt, wo mensch sich -
ohne Geld dafür zu benötigen - treffen kann, muß es Freie Radios geben. Frei
ist dieses Radio, weil keine Einzelpersonen über den Programminhalt bestimmen,
sondern die ProduzentInnen selbst entscheiden, worüber und wie sie ihre
Sendezeit gestalten. Diese Struktur ermöglicht ein Maximum an freier
Meinungsäußerung. Zwei wesentliche Grundsätze bestimmen Freies Radio:
Nichtkommerzialität und Offener Zugang. Ersteres gewährleistet Unabhängigkeit
in der Sendungsgestaltung. Zweiteres garantiert Meinungsvielfalt, weil
prinzipielle jedeR Programm gestalten kann.
Die jahrzehntelange quasi Monopolstellung des ORF prägte das Radioverständnis
von Generationen von ÖsterreicherInnen, sodaß es heute beinahe so aussieht,
als seien Hörgewohnheiten vom Himmel gefallene Gebote, an denen sich
Programmgestaltung gefälligst zu orientieren habe. Freies Radio tritt an zu
beweisen, daß dem nicht so ist und gutes Radioprogramm sich durch mehr als
Bühnendeutsch und HörerInnenzahlenoptimierung auszeichnen kann. Unser Ziel
liegt weder in der Imitation von Bestehendem noch in dessen
Verbesserung. Freies Radio nimmt die Auseinandersetzung mit dem Medium auf und
beschreitet, vielleicht nicht immer neue, aber zumindest andere Wege, mit dem
Ziel, die HörerInnen immer wieder aufs Neue zu überraschen. Freies Radio
wehrt sich mit aller Vehemenz dagegen, nach herkömmlichen Qualitätskriterien
beurteilt zu werden. Der Uniformität kommerzieller Sender setzt Freies Radio
Vielfalt und Differenziertheit entgegen. Der technischen Perfektion des
öffentlich rechtlichen Rundfunks begegnet Freies Radio mit Authentizität.
Freies Radio wird von einer Vielzahl von Einzelpersonen und Gruppen aus dem
Sendegebiet gestaltet, durch deren Beteiligung ein authentisches, für die
Region typisches Programm entsteht. In den Vordergrund rücken genau die
Themen, die für ProgrammacherInnen gerade von Bedeutung sind. Auf diese Weise
entsteht ein Radiosender, der stets ein vielfältiges Programm zu bieten hat.
Die Identifikation der HörerInnen erfolgt direkt über die ProgrammacherInnen,
die, anders als in der restlichen Rundfunklandschaft keine anonymen Stars
sind, sondern Menschen, die den gleichen Lebenskontext teilen.
Sowohl "On Air" als auch physisch ist Freies Radio ein Treffpunkt für Menschen
aus verschiedensten sozialen, ökonomischen, religiösen, politischen,
kulturellen, (...) Umfeldern. Alle gestalten ihr Programm für den gemeinsamen
Sender. Die Organisationsstruktur bietet neben Redaktionssitzungen und
Workshops auch die Möglichkeit zu informellen Treffen.
Erst wer sich selbst aktiv mit einer Sache beschäftigt, gewinnt im Laufe der
Zeit einen tieferen Einblick. Durch die Gestaltung von Radiosendungen
verändert sich die Wahrnehmung von Medien im Allgemeinen, da Mechanismen
sichtbar, nachvollziehbar und somit durchschaubar werden. Da das Radiohandwerk
leicht erlernbar ist, eröffnet sich den EinsteigerInnen sehr rasch ein weites
Feld für kreative Betätigung und gestalterische Experimente im öffentlichen
Raum Radio. Jenseits von wirtschaftlichen Zwängen ermöglicht Freies Radio die
Auseinandersetzung mit Inhalten und Themen, die für kommerzielle
RundfunkbetreiberInnen entweder uninteressant oder gar unerwünscht sind. Für
die HörerInnen entsteht dadurch eine breite Vielfalt an Themen, Inhalten und
gestalterischen Zugängen, die quotenabhängige Medien nicht bieten können.
Zu allerletzt macht aber Freies Radio Freude, ob ich es nun selber gestalte
oder konsumiere. Ich lese heute nicht und setze mich auch nicht vor den
Fernseher. Stattdessen gehe ich Radio machen, setze mich mit einer Idee
auseinander, überlege mir, wie ich mein Thema am besten vermitteln kann,
gestalte mein Programm. Da passiert Kreativität und Spontanität, das spüren
auch die HörenInnen.
Oder ... heute laß ich mich überraschen und dreh einfach mein Radio auf ...
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